Die tägliche Kleidung der alten Rus war beim einfachen Volk und den höheren Ständen prinzipiell gleich. Unterschiede gab es meist nur in der Menge und der Qualität der verwendeten Materialien, der Verarbeitung und natürlich dem Zierwerk. Das eher kalte Klima forderte eine lange, warme Kleidung, und so wurden vornehmlich schwere Stoffe für die Überkleidung verwendet, die auch etwas länger war. Gemeinhin wurde von allen Ständen eine Art Untergewand (der name Soroshka hierfür entstand erst in späterer Zeit) getragen. Sie war zumeist aus ungefärbtem, manchmal gebleichtem Leinen gefertigt und reichte bis ans Knie. Der Halsausschnitt war vorne.
Sie konnte entweder unter der Rubakha (vom altrussischen Rub - grober Stoff), der Svita oder einem anderen Kaftanähnlichen Kleidungsstück getragen werden, aber auch genauso als alleiniges Kleidungsstück. Allerdings musste dann ein Gürtel aus Stoff oder Leder dazu getragen werden. Gebräuchliche Farben der Rubakha waren Weiß, Rot und Blau. Wer es sich leisten konnte, trug über diesen 2 Teilen zum Ausgehen auch noch ein drittes Kleidungsstück.  Wenn man zuhause war und Besuch hatte, begnügte man sich mit dem normalen Übergewande. Der Kaftan übrigens war normalerweise bodenlang oder bis zu den Waden, so daß man die Stiefel des Trägers noch sehen konnte. Meist war er vorne kürzer geschnitten als hinten. Die Ärmel und Ärmelaufschläge waren bei den Reichen und den Fürsten mit Stickereien in Silber und Gold verziert, auch kamen hier Perlen zum Einsatz.                                                 

Die Hosen (Porti) waren einfach und gerade geschnitten. Sie waren meistens aus nur 2 Teilen gefertigt. Sie sind nicht zu verwechseln mit dem was man gemeinhin unter "Rus-Hosen" versteht. Diese Pluderhosen trugen in früherer Zeit nur die schwedischen Rus und die Reisenden aus Birka, die Slawen selbst hatten ihre eigene Hosenmode. Ein Mantel aus Wollstoff, je nach Stand und Geldmitteln mehr oder weniger verziert, schützte gegen Wind und Kälte. Er wurde auf der Vorderseite mit einer Mantelschließe oder einer Fibel geschlossen.
Den Kopf bedeckte man mit runden Mützen aus Wollfilz oder Stoff, zum Teil mit Pelz umrandet. Die einfache Bevölkerung begnügte sich mit Schafsfellen, die reicheren verwendeten natürlich edlere Pelze, wie z.B. Fuchs oder Zobel. Je höher die Mütze war, desto höher war auch der Stand und der Reichtum. Die ganz hohen Mützen in späterer Zeit waren den Bojaren vorbehalten. Zum Teil erinnerten die Mützen an die Silhouetten der Kirchentürme mit ihren Zwiebeldächern. 


Hier sieht man 2 bessergestellte Herren:


Hier das Schnittmuster einer altslawischen Untergewandes:

Hier ein weiteres:

Eine Soroshka mit reicher Stickerei:

Eine Tunika mit eingesetzten Geren und Keilen an Vorder-, Rück, Seitenteilen:


Die Gürtel waren aus Leder oder Stoff. Er war nicht nur ein Mttel zum Zweck, um die Kleidung zusammenzuhalten und verschiedene Ausrüstungsteile wie z.B. Taschen oder Beutel daran zu befestigen, er war auch bestandteil der Kleidung selbst und hatte symbolische Bedeutung: durch seine Kreisform, war er um den Körper gelegt, wehrte er böse Einflüsse ab. Wollte man seinen Stand und seinen Reichtum auch beim Gürtel zeigen, so waren sie mit kunstvollen Beschlägen verziert. Auch die Endstücke waren dann aus Metall aufgesetzt. Der Gürtel konnte aber auch mit kleinen Glöckchen bestückt sein.

Hier ein sehr gut erhaltener Fund aus Nowgorod:

Eingige aus Leinen oder Wolle gewebte Gürtelbänder aus Nowgorod:

Hier die Replik einer Gürtelgarnitur aus dem 13. Jahrhundert aus Bronze, die wir dieses Jahr in Russland gekauft haben:


Schuhe konnten entweder aus Leder sein, aber auch aus Bast oder Birkenrinde. Stellvertretend hierzu sind die Lapti zu nennen, die von Männern und auch Frauen getragen werden konnten. Zum Teil finden sie sich noch heute in den ländlichen Regionen Russlands. Manchmal war die Unterseite der Lapti mit einer aufgenähten Ledersohle versehen. Als Schutz gegen Kälte und um die Lapti etwas auszupolstern stopfte man sich gerne etwas Stroh oder Heu hinein

Diese Lapti haben wir aus Tscheboksari, Russland mitgebracht.

Hier sind einige Originalschuhe aus Nowgorod, 13. Jahrhundert:



Stiefel waren aus weichem Ziegenleder oder, falls man weniger begütert war, aus dem gröberen Rindsleder genäht.

Ausgezeichnet erhaltene Reste von Stiefeln aus Nowgorod, 13. Jahrhundert. Diese Stiefel waren ursprünglich reich mit Ornamenten und Mustern verziert, wie zum Teil noch sehr gut zu erkennen ist:



Die Fotografien der archäologischen Funde wurden von uns im Moskauer Historischen Museum gemacht