Die Kiewer Rus

Die ursprüngliche Kiewer Rus, der altrussische Staat, entstand hauptsächlich aus der Verschmelzung der Herrschaftsgebiete um Kiew und Nowgorod.
Er reichte von den nördlichen Wasserstrassen bis an den Dnjepr.
Hauptstadt war Kiew, gegründet um das Jahr 482 als befestigte Siedlung auf den Dnjepr-Hügeln. Sie war somit das älteste ostslawische Zentrum. Die Entstehung des Kiewer Staates ist allerdings nicht auf das Eindringen der normannischen Kaufleute und Kriegergefolgschaften zurückzuführen. Vielmehr ist sie in der inneren Entwicklung der ostslawischen Stämme zu suchen, und dort hatten die ausländischen Waräger einen aktiven Anteil an der Einigung und Zusammenführung der ostslawischen Stammesgebiete. Kiew war geradezu prädestiniert für den Standort eines sich ausdehnenden slawischen Zentrums: seine günstige Ost-West-Verbingung etwa ermöglichte es etwa von der Dnjepr-Mündung aus Byzanz in etwa 2 Tagesreisen per Schiff erreichen zu können. Neue Handelsverbindungen entstanden und intenssivierten sich etwa ab dem 10. Jahrhundert. Ebenso nahmen hier aber auch die bewaffneten Überfälle  auf Tsargorod ihren Anfang.

Für Verwirrung in der heutigen Zeit sorgt allerdings immer wieder, dass Rus ursprünglich der Ausdruck für die Schwedischen Nordgermanen war. Wie kam es dazu?

Wurde der Begriff "Rus" zuerst nur für die eingewanderten Skandinavier verwendet, wurde der Name nach der Slawisierung der Nordgermanen auf die slawische Bevölkerung selbst übertragen.                                                                                                       Der Name Rus wurde nun allgemein zum Begriff des Reiches. Man sprach von der "Kiewer Rus". Die Nestorchronik verwendet den Namen "Rus" sowohl als Gesamtbezeichnung für das Kiewer Reich, aber auch nur für die südlichen und südwestlichen Gebiete und Fürstentümer des Reiches. Diesen Fürstentümern oblag die Hauplast der Verteidigung des Reiches gegen Nomadenvölker, wie es z.B. die Petschenegen waren.

Weiterhin durch das Reich ziehende oder aber auch als Krieger angeheuerte Nordmänner wurden vornehmlich in der Kiewer Region nurmehr als Varjazi oder Varjagi bezeichnet, was soviel wie Söldner bedeutet. Daher leitet sich übrigens der Begriff Waräger ab, deren bekannteste Vertreter die Warägergarde am byzantinischen Hofen war.  In der Nowgoroder Gegend hieß man die Skandinavier alllerdings Kolbjazi, was wohl vom skandinavischen Wort Kylfingar abgeleitet war. Letztlich durchgesetzt hat sich dann aber nur der Begriff der Waräger.

Kleidung, Sitten und Gebräuche der Rus als slawische Bevölkerung unterschieden sich gänzlich von denen der Normannen.

Durch allgemein im Laufe der Jahre verbesserte Infrastrukturen wurden immer wieder Reiternomadenvölker wie z.B. die Petschenegen aus südlicheren Gefilden des Rus-Reiches angelockt. Deren Stammesgebiet war ohnehin nur einen knappen Tagesritt von der Stadt Kiev (heutige Ukraine) entfernt.
Zur Verteidigung des Reiches wurden Burgenketten errichtet, die die Sicherheit des Reiches und dessen Fortbestand sichern sollten.

Quellen:

  • B.D. Grekow: Die Russische Kultur der Kiewer Periode
  • Erich Donnert: Das Kiewer Russland
  • J. Herrmann: Welt der Slawen
  • Zdenek Vana: Die Welt der alten Slawen
  • В. Н. Александров: История русского искусства
  • Konrad Hansen: Die Welt der Wikinger
  • Г. С. Леьедев:  Зпоха Викингов
  • Дж. Клементс: Викинги
  • В. В. Богуславский: Славянская Знциклопедия 1 & 2
  • В. Калашников: Тайны Киевской Руси I & II
  • М. В. Короткова: Традиции Русского Выта

Alle Übersetzungen aus dem Russischen: Katjusha und Ragnar