
Rus-Wikinger im Osten
Über die Ostsee, die Newa, den Dnjepr reisten schwedische Händler aus Birka um nach Miklagard (wie die Wikinger Byzanz nannten, die Slawen nannten es Tsargorod) zu gelangen...

Modell Birkas. Historisches Museum in Stockholm
bald begannen sich die Reisenden aus dem hohen Norden im Land der Slawen anzusiedeln.
Die Stadt Kiew in der heutigen Ukraine wurde etwa ab Mitte des 9. Jahrhunderts von schwedischen Wikingern regiert. Angeblich wurde den Schweden die Herrscherwürde von den untereinader uneinigen Slawen angeboten.
Eine tatsächlich aus "wilder Wurzel" gegründete Siedlung von Skandinaviern
konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Wo sich die schwedischen Wikinger niederließen, taten sie es in bereits bestehende Siedlungen der einheimischen Bevölkerung.
Rus oder Varjagi wurden sie von den einheimischen Slawen genannt. Eindeutig geklärt ist die Herkunft des Namens Rus allerdings bis heute nicht.
Entweder ist er vom schwedischen Wort für Rudern oder Ruderer abgeleitet, oder aber auch vom Namen Roslagen, einem Landstrich in Schweden. Eine andere, sehr selten zu hörende Theorie will wissen dass Rus von den Roten Rugi, abgeleitet wurde. Diese Rugi oder auch Rujanen waren sowohl Händler als auch gefürchtete Piraten. Angeblich waren die Segel ihrer Schiffe von roter Farbe. Beheimatet war dieses Volk im Nordwesten, auch auf der Insel Rügen.
Erstmals erwähnt wird der name Rus, bzw. "Rhos in den Jahrbüchern des Klosters St. Bertin. Hier werden die Rus mit dem Normannischen Volke der Sueonen (Schweden) identifiziert.
Egal woher der Begriff Rus nun tatsächlich stammt, erhalten geblieben ist uns der Name aber bis heute im Wort Russland. Die Rus-Wikinger sind allerdings nicht zu verwechseln mit den Kiewer Rus. Gleich ist hier nur der Name.
Recht schnell übernahmen die Wikinger im Osten viele Gebräuche und Sitten der einheimischen Slawen, aber auch die Mode und die Trachten wurden allmählich
anders.
Allmählich gewannen aber auch die einheimischen Stämme mehr Bedeutung und Gewicht: es fand innerhalb eines Jahrhunderts eine Slawisierung der Skandinavier statt.

Der für die Wikinger typische Schiffsbau blieb noch lange Zeit traditionell eine Domäne der Skandinavier, allerdings verblasste diese nach und nach mit der zunehmenden Slawisierung.
Der Zustrom der Nordmänner hörte nach der Zeit Jaroslaws des Weisen ganz auf.
Wie Funde zeigen, war die materielle Kultur der im ostslawischen Raum auftretenden Nordmänner insgesamt recht dürftig.
Ein Teil der Funde z. B. im Grabhügel von Gnezdovo ist skandinavischen Ursprungs. Hier fand man ovale Schalenfibeln mit plastischen Verzierungen in skandinavischem Stil, sowie eiserne Halsringe mit axtförmigen Anhängern.

Im 18. Jahrhundert wurde übrigens erstmals vermutet, dass die Schweden einen Anteil an der Entstehung des Russischen reiches gehabt haben könnten, allerdings fand diese These nur wenig Freunde bei den russischen Nationalpatrioten. Zu stark noch war die Erinnerung an den Großen Nordischen Krieg unter Zar Peter dem Großen gegen die Schweden: keinesfalls durfte es sein, dass die Entstehung des Russischen Reiches auf den ehemaligen Feind zurückzuführen sei! Nach und nach aber entwickelte sich die "Normannisten-Theorie" weiter. Die "Anti-Normannisten" hingegen verloren langsam mehr und mehr an Boden, bis zur Stalinistischen periode. Mitte der 30er Jahre belebte der Diktator die nationalrussischen Traditionen wieder, was sich unter anderem auch im Schnitt und der Gestaltung der Militär-Uniformen wiederspiegelte. Der "Antinormannismus" wurde zur offiziellen Lehre, was natürlich ein großer Rückschlag für die historischen Forschungen war.