
Im Neolithikum, genauer in der Zeit zwischen dem jahre 4000 bis 3000 vor unserer Zeit, besiedelten verschiedene Stämme das Gebiet zwischen Dnestr und Donez. Sie befassten sich hauptsächlich mit Ackerbau und Viehzucht.
Funde dieser Kultur wurden an einem Orte nahe der Stadt Kiew gemacht, und daher stammt der Name dieser vorgeschichtlcihen Kultur: die Tripolje-Kultur.
Die Tripolje gehörten zur so genannten Linienbandkultur, weil Keramikfunde aus dieser Zeit und Region tyoische Verzierungen aus runden und eckigen Linien hatten.
Über Weltanschauung und Lebensweise dieser Kultur ist nicht sehr viel bekannt. Hinweise darauf liefern in der Tat lediglich gefundene Idole. Ob es sich hierbei um Abbilder von Dämonen, Göttern oder gar menschen handelt, ist nicht genau bekannt.
Wann genau es zum Ende der Tripolje-Kultur gekommen ist, ist leider nicht exakt bekannt.
Hier eine künstlerische Darstellung wie die Tripolje ausgesehen haben könnten:


Einige Keramik-Erzeugnisse der Tripolje-Kultur: Gebrauchsgeschirr, Vasen und Idole

Die Antike: Die Skythen
Eine erste belegte Aussage über im russischen Gebiet siedelnde Volksgruppe stammt etwa aus dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeit, von Herodot. Hier wird von den Skythen gesprochen, die in Sibirien und Osteuropa lebten. An der Ausbildung und Prägun ihrer Kultur waren unter anderem iranische und vorderasiatische Stämme beteiligt.
Die skythische Kultur erlangte Berühmtheit und Bedeutung vor allem durch ihre Goldschmuckerzeugung. Obwohl nun die Kultur der frühen Skythen nicht unmittelbar mit den Ostslawen verbunden ist, hat sie dennoch so manches bei ihnen zurückgelassen: Beerdigungszeremonien, rituelle Darstellungen und Elemente der Schmuckgestaltung.


Die Spätantike: Die Sarubinzy
Wie und wann genau die späteren Slawen als eigenständiges Volk und Vorläufer der Russischen Kultur die Bühne der Weltgeschichte nun betraten läßt sich nicht mehr exakt bestimmen. Aufgrund archäologischer Funde lässt sich allerdings eine Verwandschaftsbeziehung zwischen dem Volk der Skythen und den späteren Ostslawen nicht ausschließen. Anscheinend lebten die Vorfahren der späteren Ostslawen nördlich der Skythen. Geneueres läßt sich aber nicht sagen, da keine Bodenfunde vorliegen
Die Slawen waren vermutlich Teil einer Slawisch-Baltischen Völkergemeinschaft.
Eine Hypothese will in der so genannten Sarubinzy-Kultur die Vorfahren der Slawen sehen. Diese bestand in der zeit vom 1. Jahrhundert v.u.Z. bis etwa ins 1. Jahrhundert A.D.
Im 2. Jahrhundert bereits war sie schon vollständig verschwunden.
Die Sarubinzy wohnten in verhältnismäßig kleinen Siedlungen und betrieben in erster Linie Ackerbau und Viehzucht. Ihre Behausungen waren sowohl unterirdisch als auch eingetieft gebaut.
Sie kannten bereits die Herstellung von Eisen. Funde zeugen von Schmuckherstellung, wie z.B. Fibeln, Anhänger und Schläfenringe aus Bronze.
Handelsbeziehungen schienen ebenfalls bereits bestanden zu haben, wie etwa Funde von Silberschmuck evtl. aus Polen oder Bernstein von der Ostseeküste bezeugen.
Hier die künstelrische Darstellung der Sarubinzy:


Die Spätantike und das Frühmittelalter: Die Tschernjachow
Einer genaueren Zuordnug entzieht sich ebenfalls die den Sarubinzy folgende Tschernjachow-Kultur, die etwa ab dem 2. jahrhundert A.D. bis zum 5. Jahrhundert anzusiedeln ist.
Die Tschernjachow waren im Vergleich zu den Sarubinzy wesentlich zahlreicher, ihr Siedlungsgebiet war größer und ebenfalls ihre Siedlungen.
Bei ihnen war ein deutlicher Fortschritt zu beobachten,so kamen etwa bedeutend weiterentwickelte Werkzeuge zum Einsatz. Die Eisenverarbeitung war ausgereifter und die Schmiede llieferten ein breiteres Spektrum an Waren und Werkzeugen aus.
So etwa könnten die Tschernjachow ausgesehen haben:



Das Kunsthandwerk wurde durch römische und griechische Handwerker und Juweliere beeinflußt, die sich zum teil auch bei den Tschernjachow niederließen.
Durch den Einbruch der Hunnen wurde die Tschernjachow-Kultur anscheinend vollkommen zerstört. Dies macht es um so schwieriger, eine genaue Kontinuität zu den nachfolgenden Anten herzustellen.
Hier noch eine Darstellung von verschiedenen Tschernjachow-Erzeugnissen:

Im Frühmittelalter: Die Anten und die Ostslawen-Bünde
Im 6. und 7. Jahrhundert kam die Anten-Kultur zum Ausdruck und fand ihren Höhepunkt im 8. Jahrhundert.
Die Besiedlung der 3 großen Siedlungsräume des rechtsufrigen, mittleren und unteren Dnjeprgebietes erfolgte im Zuge einer Kolonisation und Einwanderungsbewegungen hauptsächlich aus dem Südwesten. Einwanderungen erfolgten aber auch aus dem westlichen Raume.
Die Hauptwanderbewegungen fanden wohl zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert statt und waren ab dem 9. jahrhundert abgeschloßen.
Wachsende Verbindungen des Dnjeprgebiets zum Osten hin und eine Weiterentwicklung der heimischen Produktion trieben die Entwicklungen voran.
Neben weiter entwickelter Eisengewinnung und -Verarbeitung spielte die Keramik eine sehr große Rolle in der Anten-Kultur.
Juweliere verarbeiteten Buntmetalle wie Kupfer, Bronze, aber auch Silber zu Schläfenringen, Armreifen Spangen, etc.
Anten-Schmuck:

Der Fortschritt der Landwirtschaft und der handwerklichen Technologien ging einher mit einem rasch expandierenden Tauschhandel, sowohl innerhalb des Landes als auch außerhalb.
Enge Kontakte bestanden, vor allem was Handelsbeziehungen betraf, zum Heiligen(Ost-) Römischen Reich, Byzanz, den Arabern und den Warägern, die allerdings erst recht spät (im 9. Jahrhundert) auftraten und rasch wieder verschwanden.
Haupthandelspartner waren unter anderem die Byzantiner, Wolgabulgaren, Chasaren, westliche Slawen und sogar Franken.
Begünstigend für die Entwicklung der Ostlawischen Stäömme war unter anderem auch der Zusammenbruch des Weströmischen Reiches und das Ende der Skalvenhalterei. Ein neues, mittelalterliches Europa unter dem Zeichen der Feudalherrschafft entstand.
Traditionsgemäß bildeten das Grubenhaus und die Blockhütte die Hauptwohnstätten.
Östlich des Dnjepr lebten die Menschen in befestigten Siedlungen, den Goroditschen.
Dies waren entweder befestigte Bauwerke aus Holz oder seltener aus Stein, zum Teil mit starken Wällen und Gräben versehen.
Westlich des Flußes lagen hingegen offene, unbefestigte Ansiedlungen, die Selistschen. Diese waren sehr einfach gehalten und so gut wie gar nicht geschützt.
Hier der Plan einer Goroditsche: Wälle, Graben, Türme schützen eine kleinere Ansiedlung

Vor der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts bestanden allerdings noch keine Städte.
Das spätere Kiew, Tschernigow, Alt-Ladoga waren zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nur befestigte Siedlungen mit relativ geringer Bevölkerungsdichte.
Die Gesellschaftsform war die einer Demokratie, es gab keinen Einzelherrscher.
Über gemeinsame Belange wurde (ähnlich wie beim Thing) auch gemeinsam beratschlagt und entschieden.
Anten und Ostslawen lebten in Bünden zusammen, was bereits eine Tendenz zu einer staatlichen Organisierung aufwies, wie sie im 9. und 10. Jahrhundert deutlich zutage trat und zur Entstehung der Kiewer Rus führte.
Die Anten: